Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA)

 

zanadio, somnio und Kalmeda“ sind Apps, die einen unterschiedlichen Zweck verfolgen. Während zanadio bei starkem Übergewicht helfen kann und somnio das Schlafverhalten optimieren soll, kann mit Kalmeda die Behandlung von Tinnitus unterstützt werden (1). Was sie jedoch eint: sie fallen alle unter den Begriff Digitale Gesundheitsanwendungen und haben somit seit Oktober 2020 (2) Einzug in die Regelversorgung von Patientinnen und Patienten erhalten.

Den Grundstein legte das 2019 in Kraft getretene Digitale-Versorgungs-Gesetz (DVG).
Es wurde vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) initiiert und soll den Bürgern in Deutschland eine bessere Versorgung durch Innovationen und Digitalisierung zusichern. Neben der elektronischen Patientenakte und dem Angebot von telemedizinischer Beratung, geht daraus außerdem das Recht der Inanspruchnahme von zertifizierten Digitalen Gesundheitsanwendungen
hervor (3).

Ab sofort können also bestimmte DiGA von Ärztinnen und Ärzten verschrieben werden. Die dafür anfallenden Kosten werden, unter bestimmten Voraussetzungen, von den Krankenkassen getragen. Doch was genau charakterisiert eine „App auf Rezept“? Und welche gesetzlichen Regelungen wurden im Digitalen-Versorgungs-Gesetz getroffen?

Die Antwort auf diese Fragen sowie weitere wichtige Aspekte rund um das Thema Digitale Gesundheitsanwendungen haben wir für Sie in folgendem Beitrag festgehalten.
Lesen Sie jetzt nach!

Was sind Digitale Gesundheitsanwendungen?

Laut einer Bitkom Umfrage können sich 80 % der Befragten ein Leben ohne mobile Geräte nicht mehr vorstellen (4). Dieses Ergebnis zeigt, welchen enormen Stellenwert u. a. das Smartphone in der Gesellschaft hat. Für nahezu jedes Bedürfnis gibt es eine App, warum also nicht auch im Gesundheitsbereich? Und genau hier kommen Digitale Gesundheitsanwendungen zum Einsatz. Hierzu zählen vor allem (5):

  • Gesundheits-Apps, die bei der Erkennung, Behandlung und Begleitung von bestimmten Krankheiten helfen
  • Apps, die bei Verletzungen oder Behinderungen unterstützen können
  • browserbasierte Anwendungen oder sonstige Software, die die genannten Anforderungen erfüllen

Das Einsatzgebiet der DiGA ist groß. Sie können bei der Dokumentation und Auswertung von Symptomen helfen, um Veränderungen und auch bestimmte Muster frühzeitig zu erkennen, sodass präventive Maßnahmen getroffen werden können. Manche fungieren auch als Erinnerung, wenn es um die Einnahme von Medikamenten oder das Wahrnehmen von wichtigen Vorsorgeuntersuchungen geht (5). In jedem Fall muss ein medizinischer Nutzen nachgewiesen werden. Sofern nach einem Jahr seit Einführung keine klare wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit und Effizienz nachgewiesen wird, entfällt der Status Digitale Gesundheitsanwendung.
Allerdings gehört nicht jede Gesundheits-App automatisch zum Kreis der DiGA. Es gibt einige Voraussetzungen die erfüllt werden müssen sowie eine umfassende Prüfung, um letztendlich in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen zu werden. Welche das genau sind, wird im Punkt „Das Verzeichnis für Digitale Gesundheitsanwendungen“ erläutert.

DiGA im Digitalen-Versorgungs-Gesetz (DVG)

Die gesetzliche Grundlage für Digitale Gesundheitsanwendungen ist, wie oben beschrieben, das Digitale-Versorgungs-Gesetz. Mit der Wirksamkeit des DVG haben in Deutschland gesetzlich Krankenversicherte einen Anspruch auf DiGA, die von Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten verschrieben werden können (6). Das Gesetz hat große Auswirkungen auf alle Akteure des Gesundheitswesens. Vor allem im Bereich der App-Entwicklung, da künftig eine direkte Vergütung durch Krankenkassen möglich gemacht wird, wodurch die Finanzierung digitaler Anwendungen unterstützt wird. So können diese stetig verbessert und weiterentwickelt oder gar ein Markteintritt neuer Angebote ermöglicht werden. Ärztinnen und Ärzte können „Apps auf Rezept“ nutzen und somit die medizinische Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten verbessern. Wiederum können Versicherte einen aktiven Beitrag zu ihrer Behandlung leisten, ohne die gesamten Kosten tragen zu müssen. Für Krankenkassen ergibt sich die Chance auf eine Verbesserung im Bereich Prävention und Frühbehandlung, da sie auf zusätzliche Daten und Informationen der Versicherten zugreifen können. Man könnte von einer Win-Win-Si­tu­a­ti­on für alle Beteiligten sprechen. Doch wie genau trägt das DVG dazu bei? Durch die Schaffung einer neuen Leistungskategorie für Digitale Gesundheitsanwendungen. Dadurch ergeben sich folgende Neuerungen (7):

  • Schaffung eines rechtlichen und organisatorischen Rahmens, der die breite Anwendung und Nutzung von Gesundheits-Apps beinhaltet, durch standardisierte Zulassungsverfahren sowie durch die Verschreibung durch medizinisches Fachpersonal.
  • Die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen ermöglicht eine (Weiter-)Entwicklung digitaler Anwendungen.
  • Krankenkassen haben wiederum die Möglichkeit die Entwicklung der Angebote durch gezielte Förderung zu beeinflussen
  • Das „Fast-Track-Zulassungsverfahren“ begünstigt einen schnellen Markteintritt
  • Der medizinische Nutzen wird in den Fokus gestellt

Das Verzeichnis für Digitale Gesundheitsanwendungen

Alle bereits zugelassenen Digitalen Gesundheitsanwendungen sind im gleichnamigen Verzeichnis enthalten. Das bedeutet Anwendungen, die dort aufgeführt sind, können bereits von Ärztinnen und Ärzten verschrieben werden. Die übersichtliche Darstellung der DiGA, verschafft Versicherten sowie ärztlichem Fachpersonal einen schnellen, einfachen und transparenten Überblick. Folgende Informationen können dem DiGA-Verzeichnis entnommen werden (8):

  • Zielsetzung, Wirkungsweise, Inhalt und Nutzung der DiGA
  • Funktionen der DiGA
  • Hinweise zum Datenschutz und zur Informationssicherheit
  • Informationen über eventuelle Mehrkosten, beispielsweise für Zubehör oder Funktionen, die auf Wunsch hinzugebucht und selbst bezahlt werden müssen
  • Voraussetzungen zur Nutzung der DiGA, beispielsweise Hardwareanforderungen oder Versionen des Betriebssystems

Voraussetzung für die Listung im DiGA-Verzeichnis ist ein wissenschaftsbasierter Nutzennachweis. § 139e SGB V definiert hierzu einen positiven Versorgungseffekt (pVE) als medizinischen Nutzen oder eine patientenrelevante Struktur- und Verfahrensverbesserung in der Versorgung. Auch wenn noch keine abschließenden Studienergebnisse zum pVE vorliegen, dieser allerdings plausibel gemacht werden können, dürfen Anbieter von DiGA einen Antrag auf Erprobung in der Regelversorgung stellen. Die DiGA werden dann 12 Monate auf in das Verzeichnis aufgenommen, um darin während der Erprobungszeit den Nutzennachweis zu führen. Diese und weitere Anforderungen wie Sicherheit und Leistungsfähigkeit, Qualitätssicherung und Risikobewertung werden durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Was bedeuten Digitale Gesundheitsanwendungen für Krankenkassen und Versicherungen?

Digitale Gesundheitsanwendungen können für viele Akteure des Gesundheitswesens eine Chance sein – so auch für Krankenkassen. Durch den Zugriff auf zusätzliche Daten und Informationen können diese neue Einblicke über ihre Versicherten gewinnen. So kann nicht nur die Gesundheit von Patientinnen und Patienten durch neue digitale Behandlungsmöglichkeiten unterstützt und verbessert werden, weiter besteht die Möglichkeit präventive Maßnahmen und Frühbehandlungen zu treffen.
Dadurch können teure Behandlungen in Folge einer Erkrankung verhindert werden, wodurch sich hohe Kosten für Krankenkassen wie TK, DAK, Barmer und Co. einsparen lassen.
Zudem besteht die Option sich auf inhaltlich-fachlicher sowie auf finanzieller Ebene an der Entwicklung von Gesundheits-Apps zu beteiligen und das eigene Know-how im Bereich der Digitalisierung zu erweitern. Allerdings birgt jede Chance auch ein Risiko.
Sollte eine App nicht den gewünschten Nutzen wie kalkuliert erbringen, ist die Investition dahin. Dieses Risiko besteht bei digitalen Anwendungen, die das „Fast-Track-Zulassungsverfahren“ durchlaufen haben. Auch beim Thema Datenschutz und Datensicherheit ist nicht ganz eindeutig, inwieweit ein Abgleich von Daten aus Gesundheits-Apps erfolgen kann bzw. darf (7).
Jedoch sollte man hier auch beachten, dass der Markt für Digitale Gesundheitsanwendungen gerade noch am Anfang steht und im Laufe der Zeit Lösungen für eventuelle Probleme gefunden werden.

Bedeutung für Gesetzliche Krankenversicherungen – GKV

Die Einführung von Digitalen Gesundheitsanwendungen setzt eine Änderung im Verwaltungsprozess von Gesetzlichen Krankenkassen voraus. Das bedeutet die Übermittlung von Daten muss digitaler werden. Das hat sowohl für Versicherte, als auch für die gesetzlichen Krankenkassen erhebliche Vorteile. Zum Beispiel fällt aufwendige Kommunikation bei der Bearbeitung eines bestimmten Sachverhaltes weg, wenn Versicherte selbst einsehen können, wie weit der Prozess vorangeschritten ist.
Weiter nimmt der Umfang an Gesundheitsdaten zu. Die wiederum verwendet werden können, um Erkrankungen und Risiken besser zu erkennen. So können Prävention und Behandlungen frühzeitiger eingeleitet werden (9).

Bedeutung für Private Krankenversicherungen – PKV

Auch für Versicherte Privater Krankenkassen sollen Digitale Gesundheitsanwendungen zugänglich gemacht werden. Allerdings stehen die PKV hier vor einer Herausforderung. Die Aufnahme von DiGA in bestehende Tarife erfordert eine Änderung bestehender Verträge, was grundsätzlich nur unter bestimmten Gründen und unter engen Voraussetzungen umgesetzt werden kann. Hierfür wird eine gesetzliche Grundlage benötigt, da ansonsten Rechtsunsicherheit auf beiden Seiten herrscht (10).

Wer entwickelt eigentlich Digitale Gesundheitsanwendungen?

Start-ups sowie etablierte Unternehmen mit Fokus auf Innovationen können mit der Entwicklung von DiGA einen wesentlichen Beitrag zur Digitalisierung des Gesundheitswesens leisten. Bereits fünf Start-ups bzw. Unternehmen haben es mit ihren Anwendungen in das DiGA-Verzeichnis geschafft (1):

  • Kalmeda (mynoise GmbH): Tinnitus-App
  • somnio (mementor DE GmbH): Digitale Anwendung zur Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen
  • velibra (GAIA AG): Digitale Gesundheits­anwendung gegen Angststörungen
  • Vivira (Vivira Health Lab GmbH): App für therapeutisches Training bei Rücken-, Knie- und Hüftschmerzen
  • zanadio (aidhere GmbH): App zur Behandlung von Adipositas

Wer finanziert/erstattet digitale Gesundheitsanwendungen?

Die Finanzierung von Digitalen Gesundheitsanwendungen erfolgt unter anderem durch Förderungen von Innovationsfonds. So können sich beispielsweise auch Krankenkassen finanziell an der Entwicklung von DiGA beteiligen. Womit ein Kooperationsverhältnis zwischen Versicherungen und Unternehmen entsteht. Allerdings ist diese nur unter folgenden Voraussetzungen möglich (7):

  • Dauer auf 10 Jahre begrenzt
  • Begrenzung auf Gebiet der EU und EWR (inkl. Schweiz)
  • inhaltliche Abstimmung
  • kein Ausfallrisiko verfügbar
  • Auch die Erstattung der „Apps auf Rezept“ erfolgt über die Krankenkassen.

App auf Rezept

Der Begriff „App auf Rezept“ fasst also einen Teil der Digitalen Gesundheitsanwendungen zusammen, die ab sofort von Ärztinnen und Ärzten verschrieben werden können. Die folgende Infografik beschreibt auch noch einmal den genauen Behandlungspfad :

Falls Sie bei den vielen Abkürzungen den Überblick verloren haben, schauen Sie sich gerne mal unseren Artikel 10 Begriffe zur Digitalisierung des Gesundheitswesens an.

Digitale Gesundheitsanwendungen haben viele Funktionen. Sie können bei der Behandlung einer Krankheit helfen, Symptome beobachten und einordnen sowie präventiv unterstützen.
Genauso wie YAS.life! Mit unserem Digitalen Bonusprogramm schaffen wir für Ihre Versicherten positive Erlebnisse und fördern so Gesundheit sowie Motivation!

B2B Newsletter

Jetzt YAS.life-B2B-Newsletter abonnieren

Lesen Sie exklusive Interviews, erhalten Sie spannende Einsichten in die Digital Health Branche und informieren Sie sich über YAS.life. Mit unserem B2B-Newsletter "PIONERE".

YAS.life für Ihr Unternehmen

Bieten Sie Ihrer Zielgruppe eine maßgeschneiderte Lösung für digitale Gesundheitsprävention als kostenloses Bonusprogramm. So fördern Sie mehr Bewegung und einen gesunden Lebensstil. Auf Grundlage unserer Erfahrung mit der YAS-App bieten wir Ihnen individuelle Lösungen an: ob für gesetzliche Krankenkassen, private Versicherungen oder im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

YAS.life für Unternehmen