Digitales Gesundheitsmanagement für Firmen

Neue Technologien und Digitalisierung halten eifrig Einzug in immer mehr Bereiche unseres Lebens. Dies trifft auch für das Setting der Arbeitswelt zu, wo Jobprofile einem deutlichen Wandel unterliegen und Führungskräfte, wie Mitarbeiter sich damit neuen Herausforderungen stellen müssen. Änderungen im Berufsleben tangieren auch das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM). Die Idee von „gesund@work“ hat insbesondere bei großen Unternehmen seinen festen Platz, wogegen kleinere und mittlere Betriebe (KMU) mit diesem Thema noch eher in den Kinderschuhen stecken. KMU’s fokussieren ihre Angebote eher auf die Erbringung sozialer Zusatzleistungen und die Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen, wie Arbeitsschutz, während Firmen mit mehr als 250 Beschäftigten deutlich mehr gesundheitsfördernde Maßnahmen offerieren.

BGM meint grundsätzlich mehr als die bewegte Pause im Büro, sondern umfasst einen systematischen Organisationsprozess mit dem Ziel die Mitarbeitergesundheit und Leistungsfähigkeit langfristig und nachhaltig zu fördern. Die kleine Schwester Namens Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) kümmert sich um konkrete, aktive Maßnahmen, wie zum Beispiel die Yogastunde zum Entspannen. Die analogen Modelle zur Verhaltens- bzw. Verhältnisprävention sind teilweise wissenschaftlich validiert. Es ist somit kein Geheimnis mehr, dass adäquate Konzepte zur Prävention und Gesundheitsförderung in Betrieben einen echten ökonomischen Nutzen erzielen können. Die krankheitsbedingten Fehlzeiten werden durchschnittlich um ein Viertel gesenkt. Somit lassen sich laut Studien für jeden eingesetzten Euro etwa drei Euro einsparen.

Für die digitale Welt des BGM gilt es noch entsprechende Effektivitätsnachweise in Zukunft zu erbringen. Insgesamt deutet die Wissenschaft darauf hin, dass die neue Erfolgsformel aus der Verzahnung von analogen und digitalen Maßnahmen der Gesundheitsfürsorge in Betrieben geschnitzt sein wird. Der folgende Beitrag widmet sich vor diesem Hintergrund dem digitalen BGM.

Digitales BGM – Hintergrund und Definition

Die vielzitierte „Arbeitswelt 4.0“ oder international auch als „New Work“ tituliert, meint die heutigen Veränderungen von Arbeitsformen und -bedingungen, welche die Digitalisierung mit sich bringt. Arbeitsprozesse werden digital unterstützt oder komplett automatisiert. Der Megatrend Digitalisierung bringt den Mitarbeitern zunehmend komplexere Aufgaben. Auch Ablenkungen und Unterbrechungen am Arbeitsplatz werden in diesem Zusammenhang zunehmen. Flexibilität von Arbeitszeit und -ort wird immer häufiger zur Anforderung. 9-to-5 war gestern. Gleitzeit und Teilzeitarbeitsverträge rücken in den Vordergrund. Insbesondere bei den Büroangestellten verlagern sich die Tätigkeiten mehr und mehr ins Homeoffice. Work-Life-Balance lautet das Ideal. Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben haben einen hohen Stellenwert für die Mitarbeiter, nur leider verschwimmen die Bereiche durch digitale Medien stärker denn je. Die körperliche Übersetzung von digitaler Arbeitswelt: langes Sitzen vor PC und Laptop, was insbesondere Rückenprobleme provoziert. Ständige Erreichbarkeit, immenser Leistungsdruck erhöhen zudem die psychische Belastung am Arbeitsplatz. Unternehmen sollten sich deshalb aktiv um die körperliche und mentale Gesundheit der Angestellten bemühen. In diesem Zusammenhang beschreibt der Begriff digitales BGM (kurz dBGM) oder BGM 4.0 ein an die Rahmenbedingungen der Arbeit 4.0 angepasstes BGM. Einen umfassenden und wissenschaftsbasierten Überblick zu aktuellen Entwicklungen des dBGM liefern MATUSIEWISCZ & KAISER in Ihrem Buch „Digitales Betriebliches Gesundheitsmanagement – Theorie und Praxis“.

Eine einheitliche Definition gibt es bislang nicht. Grundsätzlich meint digitales BGM den Einsatz sämtlicher digitaler Methoden und Instrumente im Kontext gesundheitsförderlicher Maßnahmen in der Arbeitswelt. Digitales BGM kann mittels folgender Instrumente:

  • Informationssystemen (z.B. Intranet, E-Learning, Gesundheitsportale) oder
  • Gesundheits-Apps oder
  • Datenerfassungssysteme (z.B. Wearables)
  • BGM-Komplettsystemen (ganzheitliche Managementplattformen)

erfolgen.

Wesentliche Kriterien eines zukunftsfähigen digitalen BGM sind Integration (Gesundheitsförderung parallel in Arbeits- als auch Lebenswelt integrieren), Individualisierung (Bedarf des Mitarbeiters entsprechen), Messbarkeit, Vernetzung und Motivation. Die Herausforderung dabei ist, im gleichen Zuge die Angebote für die Mitarbeiter einfach und benutzerfreundlich daherkommen zu lassen. Ein niederschwelliger Einstieg ist enorm wichtig für eine hohe Teilnahmequote.

Bestehende dBGM Technologien: Wearables

Was ist angesagt bei den Nutzern? Schaut man sich die weltweiten Trends der Fitnessbranche (ACSM) hierzu an, ist die Antwort klar: Wearables (z. B. Fitnesstracker) stehen 2020 erneut auf Platz 1 dieser renommierten Rangliste. Quantified Self – Die Selbstvermessung des Menschen – ist angesagter denn je. Heutige Wearables veranschaulichen nicht nur Momentaufnahmen, sondern bilden Reihenwerte und Progressionen ab. Der persönliche Erfolg wird messbar und nachweisbar.

Wearables, diese kleinen mit Sensoren bestückten Computer, welche wir am Körper tragen, sind meist keine zertifizierten Medizinprodukte, sondern als Lifestyle-Geräte zu werten. Gesundheitliche Bedeutung kommt ihnen dennoch im Kontext des digitalen BGM zu. Durch ihre dauerhafte Präsenz am Arm sind sie perfekt geeignet, Aktivitätsdaten zu erfassen, sowie parallel Hinweise zu geben, wenn z. B. die Sitzphase mal wieder zu lange war. Die via Fitnesstracker erfassten Aktivitäten können in Verbindung mit Health-Apps durch weitere gesundheitsrelevante Informationen ergänzt oder auch durch Prämien belohnt werden.

Somit bietet der Einsatz von Wearables zur Erfassung von Vitaldaten und körperlichen Aktivitäten Potenzial, das Bewusstsein der Mitarbeiter für einen gesunden Lebensstil deutlich zu schärfen.

Chancen durch digitales BGM

Bei allen Lobgesängen auf das Thema BGM, sieht die Realität doch nicht selten etwas ernüchternder aus: Niedrige Teilnahmequoten an Gesundheitsmaßnahmen und oftmals sprechen diese Angebote die Gesunden anstatt die Risikogruppen an. Mehr Akzeptanz bei den Mitarbeitern können Aktionen erlangen, welche direkt am Arbeitsplatz umsetzbar oder räumlich und zeitlich flexibel sind. Endlich kann auch der Außendienstmitarbeiter oder die Kollegen an kleineren Nebenstandorten an den Vorzügen der betrieblichen Gesundheitsförderung teilhaben. Hierfür prädestiniert sind digitale Bausteine, wie der Online-Fitnesskurs für daheim oder die motivierende Schritte-Challenge via App.

Die Anwendung von spielerischen Ansätzen in einem spielfremden Kontext, wie dem Betrieblichen Setting mit Ziel, Verhalten zu ändern, wird im Fachjargon als Gamification bezeichnet. So steigern Wettbewerbe, Belohnungssysteme, Fortschrittsanzeigen & Co die Motivation und erreichen damit auch Zielgruppen, die für klassisches BGM wenig empfänglich sind. Für die Generation Z oder auch Digital Natives genannt – häufig handelt es sich um Auszubildende im Unternehmen – sind digitale Wege des BGM besonders vielversprechend. Digitale Methoden sind weiterhin durch ihren Zugang zu neuen Themenfeldern – speziell der Vermittlung von Gesundheitswissens – im Rahmen des BGM geeignet.

Mit erhobenem Zeigefinger mahnen Skeptiker den Datenschutz und die Datensicherheit an. Klar ist, dass nur Anbieter mit datenschutzkonformen Konzepten, welche auch das Vertrauen der Nutzer erwecken, langfristig eine Chance am Markt haben. Aus diesem Grund sind Online-Maßnahmen auf betriebsinternen Systemen weniger geeignet, da sie die Überwachungsmöglichkeit durch den Arbeitgeber wahrscheinlicher machen. Vom Arbeitgeber nicht kontrollierbare private IT-Medien, wie das eigene Smartphone, scheinen vorteilhaft.

dBGM und Employer Branding

Employer Branding meint unternehmensstrategische Marketingmaßnahmen, um das Unternehmen ein attraktives Image als Arbeitgeber zu verleihen. Auf dem Arbeitsmarkt sind Talente heiß umworben. Der Faktor Entlohnung ist für die Kandidaten dabei keineswegs allein ausschlaggebend. Insbesondere die junge Generation misst dem Image des Arbeitgebers und den Angeboten und Möglichkeiten innerhalb des Unternehmens einen hohen Stellenwert zu. In der heutigen Zeit lanciert Gesundheit nicht mehr zum Selbstzweck, sondern zu einem Lifestyle. Die junge Generation Z ist dabei selbstfokussiert und damit auch gesundheitsbewusst. Unternehmen mit Betrieblichem Gesundheitsmanagement bekommen somit einen dicken Pluspunkt von ihren Bewerbern, aber auch bestehenden Mitarbeitern (z.B. in Form von Arbeitgeber-Bewertungsportalen). Firmen, die ein digitales BGM praktizieren und dies auch öffentlich kommunizieren, werden als fortschrittlich wahrgenommen.

Fazit

Gesundheit, Wohlbefinden und Zufriedenheit der Mitarbeiter sind die primären Ziele des BGM. Nicht nur aus ökonomischen Gründen, wie der Reduzierung von Absentismus- und Präsentismus bezogenen Kosten, sondern als ein grundlegender Geschäftswert von strategischer Bedeutung, sollte BGM betrachtet werden. Wesentlicher Faktor für die Umsetzung eines Konzeptes zur Förderung der Mitarbeitergesundheit stellt in erste Linie das Engagement und die Einstellung der Führungskräfte zum Thema dar. Der Chef von heute sollte eine „digitale Fitness“ haben! Laut Umfragen wird die digitale Transformation bislang noch selten in Verbindung zum BGM gesehen. Aber dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement bieten sich im Zuge der Digitalisierung viele neue Möglichkeiten und Potenziale. Digitales BGM wird zukünftig sicherlich seinen Status von „nice-to-have“ zu „must-have“ wandeln, denn neben den gesundheitlichen Aspekten ist dies auch gut und kostengünstig skalierbar.

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