Dr. Elmar Waldschmitt im Interview

Geschäftsführer des Healthy Hub, einer gemeinsamen Initiative von fünf gesetzlichen Krankenkassen
 

 

YAS-Gründer Magnus spricht mit Dr. Elmar Waldschmitt.

„Ich wünsche mir Funktionen, die Menschen gerne nutzen, weil sie ihnen nützen“

Dr. Elmar Waldschmitt ist Geschäftsführer des Healthy Hub, der Krankenkassen und Startups zusammenbringt. "Wir bringen Euch in die GKV" ist das Motto - und die fünf Digital Health Startups, die als Gewinner aus dem ersten "Call" des Wettbewerbs hervorgingen, konnten nach einem Jahr eine sehr erfolgreiche Bilanz ziehen, darunter auch YAS.life.

Für das Health Hub-Konzept gab es viel Aufmerksamkeit innerhalb der Branche, Preise und vor allem spannende Ergebnisse. YAS.life-Gründer Magnus spricht mit dem 50-Jährigen, der seinen Kids gern am Reck vorturnt und sich mit Nußschokolade stärkt, über Hürden auf dem Weg in die Digitalisierung, das neue Digitalgesetz und den zweiten Wettbewerb des Healthy Hub, der aktuell stattfindet.

Magnus:

Der Healthy Hub ist ein Projekt mit wegweisendem Charakter und eine Pionier-Arbeit bei der Zusammenarbeit zwischen Kassen und Startups. Wie entstand die Idee zum Healthy Hub?

Elmar:

Die Idee ist aus dem Scheitern heraus geboren. Zum einen wollten wir uns in der Krankenkasse BIG direkt gesund einen systematischen Marktüberblick über den Digital Health-Markt verschaffen. Was uns antrieb, war die notwendige strategische Herangehensweise an das Thema. Wir wollten mit anderen Kassen eine Art Hausmesse veranstalten, Startups einladen und danach Versorgungsverträge abschließen. Damit waren wir mitten im Anwendungsbereich des Vergaberechts gelandet und bekamen von den Experten die rote Karte. Also galt es kreativ zu werden. Wir haben das Konzept digitalisiert und nach Mitteln und Wegen für eine Umsetzung gesucht.

Magnus:

Dafür habt ihr sogar den dfg-Award bekommen, der oft als Oscar der Gesundheitsbranche bezeichnet wird. Hat Dich das überrascht?

Elmar:

Überrascht und gefreut, ja. Es hat der Jury gefallen, dass wir erstmalig ein Vergabeverfahren für das Gesundheitswesen adaptiert und angewendet haben, das uns und unseren Bewerbern größere Freiheiten und eine Perspektive für eine über unseren Wettbewerb hinausgehende Partnerschaft bietet. Außerdem – und das sollte man nicht als selbstverständlich ansehen – handelt es sich beim Healthy Hub um eine kassenartenübergreifende Initiative, an der sich Betriebs-, Innungs- und Ersatzkassen beteiligen. Das ist bislang selten, zeigt aber, dass die Kassen sowohl willens als auch in der Lage sind, den Markt für Digital Health ein Stück weit mit zu entwickeln.

Magnus:

Wenn Startups und Krankenkassen zusammenkommen, prallen auf den ersten Blick zwei Welten aufeinander? Oder haben sie doch mehr gemeinsam, als auf den ersten Blick erscheint?

Elmar:

Ja, es sind schon sehr verschiedene Welten. Auf der einen Seite stehen die Vertreter der Krankenkassen, die es seit vielen Jahren gewohnt sind, in einer äußert regulierten Branchen zu arbeiten. Streng genommen reden wir nicht von einer Branche, denn Krankenkassen sind Behörden, Teil der sogenannten mittelbaren Staatsverwaltung. Oft gehen Kassen an Fragestellungen daher zögerlich heran: „Dürfen wir das?“ oder „Gibt es Anspruchsvoraussetzungen?“ Auf der anderen Seite haben wir junge Unternehmen mit einer enormen intrinsischen Motivation, die eher fragen: „Was wollen die Menschen?“ und „Wie können wir es umsetzen?“.

Wir versuchen im Healthy Hub hier einen Mittelweg zu finden. Auf jeden Fall bringt die Arbeit mit Startups auch unsere digitale Transformation voran.

Magnus:

Der erste Healthy Hub ist ein Jahr her. Jetzt mal ehrlich: Habt Ihr jetzt tatsächlich die Gewinner der ersten Runde "in die GKV gebracht"?

Elmar:

Das haben wir! Obwohl ich fairerweise gestehen muss, dass der Start einiger Projekte länger gedauert hat, als erwartet und wir teilweise dicke Bretter bohren mussten und müssen. Aber da sieht man wieder: Es reicht nicht, ein Produkt zu erstatten - man muss es in die Versorgung bringen, um es zum Leben zu erwecken und Nachfrage zu generieren. Bis dahin muss allerdings einiges an Überzeugungsarbeit geleistet werden. Und Geld kostet es auch.

Magnus:

Nun läuft der zweite Healthy Hub. Was sind die Learnings aus der ersten Runde? Was ist diesmal neu?

Elmar:

Wir haben unser Bewerbungsverfahren vereinfacht und fordern zum Beispiel die Finanzkennzahlen lediglich von den Pitch-Teilnehmern. Außerdem haben wir unseren Wettbewerbsumfang um Leistungen für die Pflegeversicherung erweitert und bieten Möglichkeiten, auch mit mehreren Kassen des Healthy Hub gleichzeitig zusammenzuarbeiten.

Magnus:

Gibt es Themenfelder, die besonders von der Perspektive der Startups und den digitalen Denkansätzen profitieren?

Elmar:

Da gibt es viele: Der Umgang mit chronischen Erkrankungen ist immer ein Dauerbrenner und eine riesige Baustelle. Aber auch der Bereich Prävention ist interessant. Insbesondere die sekundäre Prävention und die betriebliche Gesundheitsförderung.

Magnus:

Die fünf Kassen des Healthy Hubs stehen ja auch im Wettbewerb. Wie habt Ihr das Kunststück zustande gebracht, dass alle an einem Strang ziehen?

Elmar:

Alle Krankenkassen stehen vor der gleichen Herausforderung: Wie gehen wir an das Thema Digital Health heran? Da haben wir viel gemeinsam.

Der Digital Health-Bereich ist insgesamt jedoch zu klein, um sich darüber wirklich Konkurrenz um Versicherte zu machen. Aber es ist ein Markt in Wartestellung. Die Nachfrage nach Digital Health-Lösungen ist kundenseitig da, das zeigen die Nutzerzahlen in unseren Häusern. Außerdem haben wir uns gemeinsam vorgenommen, bei der Entwicklung dieses Marktes zu helfen und das geht schlicht und einfach nicht alleine.

Magnus:

Welches Feedback erhältst Du von Teilnehmern und Krankenkassen des Healthy Hub?

Elmar:

Die Rückmeldung ist rundum positiv. Wir sind für viele Startups die ersten Krankenkassen, mit denen sie ins Geschäft kommen.
Auch diejenigen, die es nicht unter die ersten fünf des letzten Wettbewerbes geschafft haben, konnten den einen oder anderen Fuß in eine Kassentür bekommen. Wir sind sehr offen für gute Ideen und versuchen diese auch zu unterstützen.

Magnus:

Was sind die größten Hürden für Startups aus Deiner Perspektive?

Elmar:

Wir Kassen verlangen schon Einiges von den Startups. Das sind aber allesamt keine Dinge, die wir von anderen Dienstleistern nicht auch verlangen würden, aber die sind daran schon gewöhnt. Formale Ausschreibungsverfahren lassen sich beispielsweise meistens nicht vermeiden. Aber glücklicherweise lassen sich ja junge, kreative Köpfe nicht so schnell ausbremsen.
Sie finden - auch gemeinsam mit uns - Wege, um den mannigfachen Regulierungen zu genügen. Und ohne Regulierung ginge Vieles schneller, aber nicht unbedingt besser.

Magnus:

Welchen Wunsch hast Du an die Politik?

Elmar:

Eigentlich bin ich zur Zeit recht zufrieden. Wenn der Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit zum „Digitalgesetz“ so durchkommt, dann kann man durchaus von einem Meilenstein für Digital Health sprechen. Wir benötigen in den kommenden Wochen jedoch noch mehr Klarheit. Insbesondere in Bezug auf die Evaluationserfordernisse, aber auch die Erstattungshöhen durch die Kassen und die Abrechnungsprozesse. Eine Hauptforderung von uns wurde schon erfüllt: Digital Health muss schneller in die Regelversorgung kommen. Aber fragen Sie im Herbst bitte noch einmal.

Magnus:

Du hast einen Wunsch frei: Welches Gadget bzw. welche digitale Funktion wünscht Du Dir?

Elmar:

Mir gefällt Oscar, die erste wirklich digitale Krankenversicherung der Welt und ihr deutsches Pendant Ottonova. Nicht, dass ich jetzt zum PKV-Fan werden würde, aber wir Gesetzlichen müssen jeden existierenden Kanal weiter bespielen und offen halten. Das ist zwar ein Vorteil, gleichzeitig aber auch der Nachteil eines solidarischen Gesundheitssystems. Aber eine voll digitalisierte und weitgehend automatisierte Krankenversicherung - das hat schon was.

Magnus:

Gibt es ein aktuelles Vorbild oder eine Idee, die Dich begeistert?

Elmar:

Über die Gadgets bin ich hinweg – ich erinnere mich nicht mal mehr daran, wo mein Fitbit-Armband der ersten Generation geblieben ist. Ich wünsche mir Funktionen, die Menschen gerne nutzen, weil sie ihnen nützen. Wenn sie den Menschen ein gutes Leben trotz Handicaps ermöglichen und vielleicht auch Dinge erlauben, die ihnen vorher verschlossen blieben.

Magnus:

Und aus privater Sicht?

Elmar:

Eine runde Apple Watch, da mir das eckige Design nicht gefällt.

Magnus:

Wie versuchst Du eine gesunde Lebensweise in den Büroalltag zu integrieren und eine gesunde Work-Life-Balance zu schaffen? Welche Gesundheits- oder Sport-Gadgets nutzt Du?

Elmar:

Ich esse nur noch Vollmilchschokolade mit gesunden Nüssen! Naja, ganz ehrlich: ich denke nicht permanent daran, gesund zu leben und ich nasche gerne. Ansonsten frühstücke ich morgens, klassisch und in relativer Ruhe mit der Familie, esse auch Obst und fahre regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit. Immerhin knapp 90 Minuten am Tag. Ich glaube, damit bin ich schon ganz gut dabei. Ansonsten bin ich auch ganz froh und glücklich, wenn ich den Abend mit meiner Familie verbringen kann. Ein – nicht tragbares – Gadgets erfreut mich allerdings sehr: die Reckstange, die ich im Garten aufgebaut habe. Da kann ich meinen Kindern zeigen, dass der Alte auch noch einen Umschwung hinbekommt – vorne und hinten herum.

Magnus:

Gibt es eine Sportart, die Du unbedingt einmal ausprobieren möchtest?

Elmar:

Gleitschirmfliegen - das mache ich endlich diesen Sommer.

Dr. Elmar Waldschmitt

Über Dr. Elmar Walschmitt:

Dr. Elmar Waldschmitt ist Beauftragter des Vorstands für Strategie, Digitale Innovation, Politik bei der BIG direkt gesund, der ersten Direktkrankenkasse Deutschlands.
Zugleich ist er Geschäftsführer des Healthy Hub, einer gemeinsamen Initiative von fünf gesetzlichen Krankenkassen mit insgesamt 3 Mio. Versicherten, die Pionierarbeit leisten. Unter dem Motto "Wir bringen Euch in die GKV" erarbeiten die Kassen mit innovativen Digital Health-Startups Vorgehens- und Vertragsmodelle für den Eintritt in den ersten Gesundheitsmarkt.
YAS.life war einer der fünf Startup Gewinner in 2018. Aktuell läuft der 2. Call für innovative Startups aus dem Digital Health-Bereich.

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