Sebastian Pitzler im Interview

Sebastian Pitzler über die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von InsurTechs und Versicherern

Sebastian Pitzler

"Zu Beginn wurden InsurTechs als Angreifer der traditionellen Versicherer betrachtet. Mittlerweile haben beide Seiten verstanden, dass sie es nur gemeinsam schaffen können, die Branche zu revolutionieren."

Über Sebastian Pitzler

Sebastian Pitzler ist als Geschäftsführer des InsurLab Germany e. V. ein echter Spezialist für die Themen Innovation, Digitalisierung und InsurTech. Seine Erfahrung gründet auf der Arbeit in unterschiedlichen Positionen an der Schnittstelle zwischen IT und Versicherungsfachbereichen für ERGO und nun InsurLab Germany. Zuletzt verantwortete er als Leiter des ERGO Digital Lab den Auf- und Ausbau eines Innovationslabors der ERGO in der Berliner Startup-Szene, bevor er im März 2018 zum InsurLab Germany wechselte. Mit dem InsurLab verfolgt Sebastian das Ziel, Versicherungen und Startups zu vernetzen und den Weg für Innovationen innerhalb der Versicherungswirtschaft zu ebnen. Seine Arbeit leistet einen wertvollen Beitrag dazu, die Digitalisierung sowohl im Endkonsumenten- als auch im B2B-Geschäft voranzutreiben und so die Branche in ein neues Zeitalter zu führen. Das InsurLab Germany ist eine gemeinsame Initiative aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlichen Institutionen.

Magnus

Könntest Du zunächst einmal den Begriff InsurTech aus Deiner professionellen Sicht definieren?

Sebastian

Seit einigen Jahren wird die Versicherungswirtschaft durch „InsurTechs“ aufgemischt. InsurTech steht für Insurance Technology. Insofern sprechen wir von Startups, die Technologien und digitale Lösungen für die Versicherungsbranche entwickeln. Mittlerweile vereinen sich weltweit über tausend junge Unternehmen, die als “InsurTech“ klassifiziert werden können, in diversen Kategorien. InsurTech-Startups können entlang der Wertschöpfungskette eines Versicherers Mehrwerte dadurch generieren, dass sie einzelne Problemstellungen bzw. Prozessschritte besonders innovativ und effektiv lösen – durch den Einsatz moderner Technologien oder einer besonderen Kundenzentrierung.
Sebastian Pitzler

Magnus

Welche Trends bestimmen zur Zeit den InsurTech-Markt? Und welches sind bisher unbesetzte Felder?

Sebastian

Tatsächlich zieht sich die Digitalisierung und Startup-Einbindung durch alle Bereiche der Wertschöpfungskette. Die Kundenschnittstelle stellt einen sehr präsenten Innovationspunkt dar. Kund*innen erwarten heute einen schnellen, einfachen und verlässlichen Service. Wir sind es in unserem Alltag gewohnt, mit wenigen Klicks zu bekommen, was wir wollen. In der Versicherungsbranche sieht das jedoch noch ganz anders aus: Papierstapel, lange Wartezeiten und wenig Vertrauen prägen die Beziehung zwischen Kund*in und Versicherer. Dies betrifft sowohl die Beratung als auch den Vertragsabschluss, die Schadensmeldung und anschließende Auszahlung. Genau hier setzen viele Startups an und unterstützen Versicherer dabei, das Kundenerlebnis zu modernisieren und optimieren. Moderne Kundenportale und -Apps, Chatbots, Schadensmeldung per Video und künstliche Intelligenz als Entscheidungshilfe sind hier nur einige Stichworte, die die Branche verändern. Bezüglich der Technologien werden wir zukünftig noch viel von künstlicher Intelligenz (KI), Blockchain und dem “Internet der Dinge“ (“Internet of Things”, IoT) hören. Alle drei Technologien haben bereits Einzug in die Branche gefunden und sich als nachhaltig bewiesen. Ich bin überzeugt, dass wir hier in den nächsten Jahren noch einige sehr vielversprechende und positive Entwicklungen in Form von Produkt-, Service- und Geschäftsmodellinnovationen erwarten dürfen. Neben der „offensichtlichen“ Kundenschnittstelle werden InsurTechs zunehmend Einzug in die sogenannten Backoffice-Systeme der Versicherer halten. Neuartige Technologien wie KI optimieren und modernisieren die IT-Systeme der Versicherer, sodass Kunden und Versicherer gleichermaßen von schnelleren und smarteren Prozessen profitieren werden.
Sebastian Pitzler

Magnus

Wo siehst Du die größte Chance für Digital Health in der InsurTech-Branche in 2020?

Sebastian

Die größte Chance für Digital Health Themen besteht aus meiner Sicht darin, dass sich die Versicherer vom passiven Kostenerstatter zum aktiven Lebensbegleiter wandeln können. Durch Kooperationen mit innovativen Startups wie YAS.life können Versicherer neue Mehrwertdienste bieten, die auf Themen wie Prävention und eine gesündere Lebensgestaltung einzahlen. Dies birgt für Versicherungsnehmer, wie Versicherer, ein erhebliches Potential. Digital Health Technologien führen zu mehr Transparenz und dadurch Bewusstsein. Außerdem zu neuen Möglichkeiten, Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen, dadurch zu vermeiden oder nach einem Vorfall, diese schneller und effektiver nach zu versorgen.
Sebastian Pitzler

Magnus

Wie nötig haben wir in Deutschland eine InsurTech-Revolution? Oder stecken wir mittendrin?

Sebastian

Wir stecken mitten drin! Die digitale Transformation zieht sich seit einigen Jahren durch die unterschiedlichsten Branchen. Dieser Innovationsdruck hat auch vor der Versicherungswirtschaft keinen Halt gemacht. Innovative Startups haben bereits viele versicherungsspezifische Lösungen in diesen Bereich entwickelt, die nun auch in der Versicherungswirtschaft Mehrwert stiften können. Die Synergieeffekte, die aus Kooperationen zwischen Startups und etablierten Versicherern entstehen können, sind enorm und verleihen schon jetzt und auch zukünftig dem Markt ein anderes Gesicht. Die InsurTech-Szene ist noch relativ jung, im Wandel begriffen und bietet durch ihre Vielfältigkeit ein enormes Potenzial. Daher gibt es für Versicherer keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, um sich den Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen und Kooperationen mit Startups einzugehen. Dabei helfen wir als InsurLab Germany natürlich gerne.
Sebastian Pitzler

Magnus

In Deiner Position als Geschäftsführer vom InsurLab arbeitest Du viel mit Startups zusammen und hast einen guten Einblick in die Branche. Da hast Du sicher schon viele Firmen wachsen und auch scheitern sehen. Was ist aus Deiner Sicht der entscheidende Faktor, der aus einem Startup ein stabiles InsurTech-Unternehmen macht?

Sebastian

Einer der wichtigsten Faktoren ist es, Vertrauen aufzubauen – je nach Geschäftsmodell entweder direkt zu den Endkund*innen oder zu den Versicherern als Kooperationspartnern. Denn was sich zeigt, ist, dass vor allem Startups, die sich als Lösungsanbieter für Versicherer positionieren, ein höheres Erfolgspotenzial aufweisen. Zu Beginn wurden InsurTechs als Angreifer der traditionellen Versicherer betrachtet. Mittlerweile haben beide Seiten verstanden, dass sie es nur gemeinsam schaffen können, die Branche zu revolutionieren. Hiermit kommen wir auch zum zweiten Faktor: Es ist essenziell, die Sprache von Versicherern zu verstehen und deren Denk- bzw. Prozesswelt zu betrachten. Der dritte Punkt lautet: Ein langer Atem! Startups müssen in der Versicherungswirtschaft mit längeren Verkaufs- und Projektentwicklungszyklen rechnen, was für viele Jungunternehmen den Todesstoß bedeuten kann. Diese finanziellen Herausforderungen müssen beachtet werden.
Sebastian Pitzler

Magnus

Welche Kooperation zwischen Versicherung und Startup würdest Du Dir ganz persönlich wünschen?

Sebastian

Natürlich wünsche ich mir so viele Kooperationen wie möglich – und zwar genau dort wo es Sinn macht! Die Startups müssen an den Punkten anknüpfen, an denen die Versicherer allein nicht weiterkommen. Denn durch die Vernetzung ihres Knowhow's können sie gemeinsam etwas Großartiges und Innovatives erschaffen und zwar so, dass schlussendlich der Kunde einen Vorteil durch die Kooperation erhält. Wir wünschen uns die Kooperationen, bei denen eine Win-Win-Situation entsteht: Wachstum und neue Kunden für die Startups, moderne Technologien, echte Produkt- und Service-Innovationen für die etablierten Versicherer.
Sebastian Pitzler

Magnus

Im Bereich Digital Health und Versicherung: Welche sind bisher unerfüllte Bedürfnisse des einzelnen Versicherten?

Sebastian

Nach meiner Wahrnehmung gibt es Verbesserungspotenzial mit Blick auf Zugang zur Gesundheitsversorgung (Termine erhalten, die richtigen Ärzte finden), Patientenkommunikation, sowie Abrechnungsprozesse. Simple Prozesse und nutzerfreundliche Services würden hier helfen. Themen wie Telemedizin, digitale Gesundheit-Coaches, Zugang zu Smart Wearable Devices, die Gesundheits-/Vital-Daten in Echtzeit erfassen und bewerten, können hier Zukunftsthemen sein. Oftmals wird vom sogenannten „Ökosystem Gesundheit“ gesprochen, dennoch gibt zu viele Medienbrüche, beispielsweise bei der Abrechnung von Arztrechnungen (u. a. im privaten Bereich). Immer noch ist in diesem Bereich vieles analog – trotzdem konnte schon einiges durch aktive Nutzung der technischen Möglichkeiten optimiert werden. Leider scheitert es oftmals an der Datensicherheit oder anderen regulatorischen Prämissen. Das Digitale-Versorgungs-Gesetz, welches erst Ende 2019 verabschiedet wurde, kann hier sicherlich positiv unterstützen! Trotzdem gibt es bereits jetzt sehr gute Kooperationen, wie z. b. mit YAS.life oder betterdoc – weiter so!
Sebastian Pitzler

Magnus

Hand aufs Herz: Wie weit hinken wir in Deutschland mit InsurTech hinterher? Was muss sich ändern, um Innovationen mehr Raum zu geben?

Sebastian

Meiner Meinung nach ist Deutschland aktuell gar nicht mal so schlecht aufgestellt – die Aufmerksamkeit für Themen wie InsurTechs und Startup-Kollaboration ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Selbstverständlich müssen wir uns weiterhin kontinuierlich bemühen gute Ideen und gute Gründer in Deutschland zu fördern und zu halten sowie ihnen stets die Kooperation und den Austausch mit den Versicherern ermöglichen. Genau aus diesem Grund gibt es uns, wir als InsurLab Germany stehen aktiv dafür ein, Kooperationen zwischen Startups und Versicherern zu ermöglichen und die Innovationskraft der Versicherungswirtschaft weiter zu stärken!
Sebastian Pitzler

Magnus

Wie sieht ein Tag bei dir aus und bleibt da Zeit für Hobbies und Sport?

Sebastian

Aktuell nimmt mein Beruf werktags einen großen Teil meiner Zeit in Anspruch. Die Wochenenden sind mir jedoch heilig – diese Zeit genieße ich insbesondere mit meiner Frau und meinem Sohn. Mit einem vierjährigen Sohn gibt es am Wochenende viel zu erleben. Sport sollte ich definitiv mehr machen. Sagt auch meine Apple Watch. 😉 Apropos Apple Watch: ich bin in Bezug auf Technologie ein echtes Spielkind und würde mich als Tech Enthusiast bezeichnen – von meinen Smart Home, über mein „Connected Car“ bis zur Apple Watch und iPhone habe ich Spaß und Interesse daran, die Dinge meines Alltags zu vernetzen und damit „smarter“ zu machen. Vor einiger Zeit habe ich den Spitznamen „iPitzler“ verliehen bekommen.
Sebastian Pitzler

Magnus

Dein Lieblings-Gesundheits- oder Sport-Gadget?

Sebastian

Mein Lieblings-Gesundheits-Gadget ist meine Apple Watch. Sie gibt mir ein Gefühl dafür, wie mein tägliches Aktivitätsniveau ist und motiviert mich gesteckte Ziele immer wieder zu erreichen. Zusätzlich habe ich gelegentlich immer mal wieder kleine „Challenges“ mit Freunden am Laufen, die man über die Apple Watch organisieren kann. Würde ich mehr Sport treiben, könnte ich noch das Potential dieses großartigen Gadgets voll auskosten. Früher gehörte mein Mountainbike zu meinen Lieblings-Sport-Gadgets - an dem habe ich viel geschraubt.
Sebastian Pitzler

Magnus

Hast Du ein Motto, nach dem Du lebst?

Sebastian

Als iPitzler muss ich doch jetzt ein Steve Jobs Zitat nennen. Am besten passt „Stay hungry, stay foolish“.
Sebastian Pitzler

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